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Aderlass
Hildegard von Bingen schreibt:
 
"Sind bei einem Menschen die Gefäße mit Blut gefüllt, so müssen sie von dem schädlichen Schleim und dem zur Verdauung gelieferten Saft gereinigt werden ... Wer aber viel Blut hat und völlig gefüllte Gefäße und sein Blut nicht durch Aderlaß oder Schröpfen reinigt, dessen Blut wird etwas wachsig und unkräftig werden, und so verfällt der Mensch der Krankheit ..."
 
Ulrich Abele und Erich Stiefvater schreiben 1964:
 
"Dass man den Aderlass vernachlässigt, ja (beinahe) vergessen hat, gehört zu den betrüblichsten Erkenntnissen eines Arztes, der die Geschichte der Heilkunde studiert. Besonders aber für denjenigen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Methoden der Heilung anzuwenden, bevor er zu Medikamenten greift. Es ist nämlich seltsam, dass der einfache Aderlass gerade dort hilft, wo man heute schwere und schwerste Arzneimittel einsetzen zu müssen glaubt."
 

Ähnlich wie das Schröpfen ist der Begriff Aderlass bei vielen Menschen völlig zu Unrecht negativ besetzt. Man stellt sich enorme Blutverluste und leichenblasse Patienten vor, eine Vorstellung, die an das Mittelalter erinnert und mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Die mittelalterlichen Zeiten, in denen diese Behandlungsmethode gegen alles und jedes angewendet wurde, sind längst vorbei. Man hat sich seit langem auf die regelrechte und heilende Wirkung dieser heilpraktikertypischen Behandlungsmethode besonnen. Trotzdem spielt der Aderlass als probates Mittel bei vielen Erkrankungen in den heutigen Praxen eine meist untergeordnete Rolle oder wird gar nicht mehr angewandt. Dabei handelt es sich um eine segensreiche Möglichkeit zur Ausleitung und Umstimmung.

Am häufigsten angewendet wird der Aderlass heute in der Regel zur Volumenreduzierung. Durchgeführt z.B. zur symptomatischen Behandlung bei Bluthochdruckleiden.

Weniger bekannt ist der Aderlass zur Stoffwechselregulierung, bei dem die Vorstellung im Vordergrund steht, dem Körper Blut und Schlackenstoffe zu entziehen und ihm die Möglichkeit zu geben, neues Blut zu produzieren.

 
Indikationen, bei denen Aderlässe Gutes leisten:
 
  • Verbesserung und Entgiftung des Stoffwechsels
  • Bei Stoffwechselstörungen (Fettstoffwechsel, Rheuma, Gicht, etc.)
  • Bei akuten und chronischen Entzündungen verschiedener Organe
  • Zur Entlastung von Krampfadern
  • Bei Stauungszuständen (Bluthochdruck, Pfortaderstau, etc.)
 
 
Indikationen, bei denen Aderlässe nicht durchgeführt werden sollten:
 
  • Akute, entzündliche, fieberhafte Erkrankungen
  • Schwangerschaft
  • Anaemie (Blutarmut)
  • Kindern und sehr alten Menschen
 
 
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